Im Frühjahr 2025 hat die Internationale Generalversammlung den kroatischen Philosophen und Politikwissenschaftler Prof. Pavo Barišić als Nachfolger von Alain Terrenoire zum Internationalen Präsidenten der Paneuropa-Union gewählt. Stephanie Waldburg hat mit Pavo Barišić über Stationen seines Lebens, sein grundlegendes Politik-Verständnis und seine Ziele für die Paneuropa-Bewegung gesprochen.
Sie sind in Bosnien geboren, in Kroatien aufgewachsen und haben weltweit großes wissenschaftliches Ansehen erlangt. Was waren die prägenden Sta-tionen Ihres Lebensweges?
Die prägenden Wendepunkte meines Lebens waren die Ankunft der Demokratie und der EU-Beitritt meines Landes. Als Angehöriger einer begnadeten Generation hatte ich das historische Privileg, den Zusammenbruch totalitärer Herrschaft und den Aufbau einer demokratischen Ordnung zu erleben. Wie der römische Historiker Polybius schrieb, entsteht die Demokratie aus dem Widerstand gegen Unrecht und Gewalt, wenn die Bürger die Verantwortung für das Gemeinwohl übernehmen.
Die Freiheit des Wortes und die Gleichheit der Bürger werden am meisten von jener Generation geschätzt, die sie erkämpft hat; in den folgenden Generationen läßt dieser Enthusiasmus nach. Wer die Erfahrung des kommunistischen Regimes gemacht hat, empfindet daher eine freiheitliche Verfassung als ein hohes Gut.
Seit meinem Studium der Rechtswissenschaft, Philosophie und Germanistik – Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre – begann sich ein geistiger Pluralismus zu entfalten, der im demokratischen Umbruch in ganz Europa am Ende des Jahrzehnts widerhallte. Die Ideale der Freiheit und der Menschenrechte weckten Begeisterung und führten zu einer neuen Wirklichkeit politischer Vernunft. Damit verbindet sich die zweite Etappe meines Wirkens: das Streben, mein Land im europäischen Kulturerbe zu verankern und es dem vereinten demokratischen Europa anzuschließen.
Wie kamen Sie zur Befassung mit Politik und schließlich zum politischen Engagement?
Politisch aktiv wurde ich nach der demokratischen Wende, vor allem in den Bereichen Wissenschaft und Bildung. Von 2004 bis 2006 war ich stellvertretender Minister, von 2016 bis 2017 Minister für Wissenschaft und Bildung. Ursprünglich schlug ich eine akademische Laufbahn ein und hatte Gelegenheit, verschiedene leitende öffentliche Ämter zu bekleiden – vom Institutsdirektor bis zum Dekan. Im Hintergrund stand stets ein lebhaftes Interesse an politischen Fragen, zunächst allerdings vorwiegend theoretischer Natur. An den Universitäten in Zagreb und Split hielt ich Vorlesungen über Politische Philosophie, Rechtsphilosophie, Demokratie und Gerechtigkeit und veröffentlichte mehrere Bücher zu diesen Themen.
Mein eigentliches politisches Feuer begann sich während meines Promotionsstudiums in Augsburg (1987–1989) zu entfachen – zu einer Zeit des Umbruchs, als ganz Europa, insbesondere sein zentraler, östlicher und südöstlicher Raum, in Bewegung geriet. Man spürte das Herannahen eines demokratischen Erwachens. Meine Dissertation über Hegels Rechts- und Geschichtsphilosophie mit dem Titel „Welt und Ethos“ verfaßte ich größtenteils in der Staatsbibliothek in München. Der Untertitel lautete – mit bewußter Anspielung – „Hegels Stellung zum Untergang des Abendlandes“.
Doch im Unterschied zu jenem berühmten Buch, das sieben Jahrzehnte zuvor in derselben Stadt von Oswald Spengler verfaßt wurde, gelangte ich zu einem ganz anderen Schluß – näher an den Gedanken des Paneuropa-Gründers Richard Coudenhove-Kalergi: Europa befindet sich nicht im Niedergang und geht nicht unter – es vereint und erneuert sich. Die dialektische Entwicklung des abendländischen Geistes endet nicht im Nihilismus; aus der gereiften Frucht entsteht ein neuer Keim, ein neues Lebensprinzip. Das geistige Erbe Europas bildet die Grundlage für den weiteren Aufbau einer würdigen Behausung, eines Ethos des Menschen in der Welt.
Wann hörten Sie zum ersten Mal von der Paneuropa-Bewegung, und wie kamen Sie mit der Paneuropa-Union in Kontakt?
Im Mai 1991 wurde die Paneuropa-Union Kroatien gegründet. Zum ersten Präsidenten wurde Mislav Ježić gewählt, mit dem ich zuvor im philosophischen Bereich zusammengearbeitet hatte. An der Gründungsversammlung in Zagreb nahm Bernd Posselt teil, der die Vorbereitungen im Auftrag des Internationalen Präsidiums koordinierte. Nach einem halben Jahrhundert der Unterbrechung durch die totalitäre Herrschaft wurde damit die einst verbotene Paneuropa-Bewegung in Kroatien wieder ins Leben gerufen. So fand ich mich inmitten der paneuropäischen Familie, deren charismatisches Oberhaupt damals Otto von Habsburg war.
Präsident Ježić wurde 1994 zum internationalen Vizepräsidenten gewählt und leistete einen bedeutenden Beitrag zur Ausweitung und Stärkung der paneuropäischen Mission. Auf seinen Vorschlag hin wurde ich 1993 zum Vizepräsidenten berufen, und im Jahre 2003 übernahm ich das Amt des Präsidenten der Paneuropa-Union Kroatien.
Sie haben sich viel mit Coudenhove-Kalergi und der Paneuropa-Geschichte der Zwischenkriegszeit befaßt, insbesondere auch mit Paneuropäern aus dem damaligen Königreich Jugoslawien sowie dem Bildungs- und Erziehungskongreß, den unsere Bewegung bereits in den dreißiger Jahren in Wien veranstaltete. Was waren da Ihre wichtigsten Entdeckungen?
Da die Paneuropa-Union während der totalitären Regime von der öffentlichen Bühne verdrängt wurde, geriet vieles aus ihrer Geschichte in Vergessenheit. Einen Teil davon versuchte ich wieder ans Licht zu bringen. Anläßlich des 125. Geburtstages des Paneu-ropa-Gründers erinnerte ich in einem Beitrag in Paneuropa Deutschland 2/2020 an die frühen Erziehungstagungen der Bewegung. In meinem Artikel „Bildungspolitik und Paneuropa“ stellte ich die erste Paneuropa-Konferenz für europäischen Geographie- und Geschichtsunterricht vor, die 1937 unter dem Ehrenpräsidium des österreichischen Unterrichtsministers Hans Pernter und der programmatischen Leitung Coudenhove-Kalergis in Wien stattfand.
Die Tagung faßte ihre Ergebnisse in zehn Punkten zusammen, die als Empfehlungen an die europäischen Regierungen gingen. Coudenhove-Kalergi betonte dabei, daß die Ausbildung einer europäischen Gesinnung vor allem durch Schule und Presse geprägt werde: Die Presse forme das Denken der Gegenwart, die Schule das Bewußtsein der Zukunft.
Auch Paneuropäer aus dem damaligen Königreich Jugoslawien nahmen an diesen Konferenzen teil, unter ihnen der ehemalige Minister Dr. Otto Frangeš aus Zagreb. Der slowenische Historiker Andrej Rahten hat wertvolle Beiträge über diese frühen Anhänger der Paneuropa-Idee veröffentlicht, die bereits am ersten Paneuropa-Kongreß 1926 in Wien teilgenommen hatten. Die Organisation im Königreich Jugoslawien wurde 1930 gegründet, mit den Sektionen Ljubljana, Zagreb und Belgrad unter der Leitung von Andrej Gosar, Milan Vrbanić und Dragoljub Aranđelović. Die ersten Versammlungen fanden 1931 in Belgrad, 1932 in Zagreb und 1933 in Ljubljana statt – jeweils am 17. Mai, dem Jahrestag von Aristide Briands Memorandum zur Europäischen Politischen Union. Dem Ehrenausschuß gehörte unter anderem auch der weltberühmte Bildhauer Ivan Meštrović an.
Die beiden anderen Präsidenten außer Coudenhove, die vor Ihnen an der Spitze der ältesten europäischen Einigungsbewegung standen, Otto von Habsburg und Alain Terrenoire, haben Sie persönlich erlebt und mit ihnen in Führungspositionen zusammengearbeitet. Wie würden Sie diese Persönlichkeiten und ihr Wirken charakterisieren?
Von diesen beiden herausragenden Internationalen Präsidenten war ich tief beeindruckt und habe von beiden viel gelernt. Es war ein besonderes Privileg, mit Otto von Habsburg zusammenzuarbeiten und mich während seiner zahlreichen Reisen nach Kroatien und in andere Länder mit ihm austauschen zu können. Im Nachwort seiner Biographie beschrieb ich seinen Lebensweg als „einen majestätischen und würdigen Weg des Hochadels von Geburt an, der durch ein von zwei Weltkataklysmen erschüttertes Europa führte – als wahrer paneuropäischer Demokrat aus Überzeugung, der wesentlich zur Beruhigung und Einigung des Kontinents beitrug“. Als er die Führung der Paneuropa-Union übernahm, war Europa noch durch den Eisernen Vorhang geteilt. Doch er beließ es nicht nur bei Worten: Mit politischem Mut und Weitblick wirkte er aktiv am Abbau der Barrieren, die den Kontinent trennten. Im Europaparlament hielt er symbolisch einen leeren Stuhl für die Menschen in Mittel- und Osteuropa jenseits des Eisernen Vorhangs frei. Seine Amtszeit als Präsident der Paneuropa-Union krönte 2004, die größte Erweiterung der Europäischen Union.
Mit Alain Terrenoire verbindet mich seit seiner ersten Wahl zum Internationalen Präsidenten eine enge Zusammenarbeit. Es war mir eine ehrenvolle und zugleich verantwortungsvolle Aufgabe, ihm als internationaler Generalsekretär beizustehen. Als Angehöriger einer echten paneuropäischen Familie hat er der Bewegung große Verdienste erworben. Bereits 1961 gründete er die Jugendbewegung des Französischen Paneuropa-Komitees und führte von 2003 bis 2013 die Paneuropa-Union Frankreich – in der Tradition großer französischer Europäer wie Aristide Briands und seines Vaters Louis Terrenoire. Als Internationaler Präsident verkörperte er Dynamik, Vision und stille Tatkraft. Mit diplomatischem Geschick stärkte er den Geist der Solidarität und förderte die Einigkeit der Bewegung. Unermüdlich reiste er zu Versammlungen in ganz Europa und pflegte den persönlichen Kontakt zu den Mitgliedern, wo immer es möglich war.
Was sind die wichtigsten Schwerpunkte, die Sie als Internationaler Präsident setzen wollen?
Um die Herausforderungen unserer Zeit – einseitige Machtpolitik, Invasionen, bewaffnete Konflikte, Zollkämpfe, unkontrollierte Migration und die drohende Erosion der internationalen Ordnung – zu bewältigen, setze ich auf vier zentrale Prioritäten: Freiheit, Frieden, Solidarität und Demokratie. Die Hauptrichtung bleibt dieselbe wie zu den Anfängen unserer Bewegung: Freiheit und Frieden. Unser paneuropäisches Motto erinnert daran, daß die Solidarität in allen wesentlichen Bereichen gestärkt werden muß. Menschliche Brüderlichkeit und Solidarität sind entscheidend, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu bewahren.
In kontroversen Fragen gilt es, die Freiheit des Denkens und die Vielfalt der Meinungen zu schützen. Toleranz ist die Grundlage, auf der Europa im Vergleich zu anderen Weltregionen den höchsten Grad an freier Meinungsäußerung entwickelt hat. Die Demokratie bildet den politischen Rahmen für eine auf Menschenwürde basierende Herrschaft.
Die Europäische Union zählt heute zu den fünf großen globalen Akteuren. Sie muß ihre gemeinsame Außenpolitik und Verteidigungsfähigkeit weiter stärken, um das Leben, die Freiheit und das Wohlergehen ihrer Bürger zu sichern. Zugleich sollten wir unsere Aufmerksamkeit verstärkt auf Südost- und Osteuropa richten, die ungeduldig auf die Erweiterung warten. Gemeinsam müssen wir die Verteidigung und den EU-Beitritt der Ukraine, Moldaus und jener Länder unterstützen, die eine Mitgliedschaft anstreben und verdienen.
Wie sehen Sie in diesem Zusammenhang die Paneuropa-Union und die Paneuropa-Jugend in Deutschland, die seit Jahrzehnten eng mit der Paneuropa-Union Kroatien verbunden sind?
Seit der Gründung der Paneuropa-Union Kroatien hat sich eine enge und fruchtbare Zusammenarbeit mit der Paneuropa-Union Deutschland entwickelt. Besonders dankbar bin ich für die langjährige Unterstützung durch ihre Mitglieder und die Paneuropa-Jugend. Es war mir eine Ehre, am Jubiläumskongreß der Paneuropa-Jugend Deutschland in Heidelberg teilzunehmen und im Namen der internationalen Paneuropa-Union meine Anerkennung und Dankbarkeit für ihre Verdienste um die Demokratisierung und Einigung Europas auszusprechen.
Kroatien, das als bislang letztes Land der EU beigetreten ist, hat sich zu einem mustergültigen EU-Mitglied entwickelt, während auch in Gründerstaaten die europäische Idee gefährdet ist. Wie beurteilen Sie die kroatische Europapolitik und ihre Unterstützung im Land?
Über die europäische Orientierung herrscht in Kroatien ein breiter parteiübergreifender Konsens, der seit der Demokratisierung und Unabhängigkeit das politische Handeln prägt. Der Antrag auf EU-Mitgliedschaft wurde 2003 unter Ivica Račan gestellt, und auch sein Nachfolger als Premierminister, Ivo Sanader, setzte die proeuropäische Politik fort. Die Beitrittsverhandlungen führte ein Ausschuß aller Parlamentsparteien.
Die heutige Regierung von Premierminister Andrej Plenković, langjähriges Mitglied des Präsidiums und Träger der Ehrenurkunde der Paneuropa-Union Kroatien, zeichnet sich besonders durch ihr paneuropäisches Engagement aus. Laut dem Eurobarometer 2025 sehen 84 Prozent der Kroaten Vorteile in der EU-Mitgliedschaft, und 61 Prozent befürworten eine Erweiterung – deutlich über dem europäischen Durchschnitt.
Wie bewerten Sie die aktuelle Lage der EU, und welche Reformen streben Sie an?
Die Europäische Union hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer der tragenden Kräfte im Geflecht der Weltordnung herausgebildet. In mehreren Bereichen gehört sie zu den Schlüsselmächten der globalen Pentarchie, wie Herfried Münkler unter Bezugnahme auf die Doktrin Henry Kissingers betont. Für die Zukunft bedarf es einer weiteren Stärkung der gemeinsamen Außen- und Verteidigungspolitik sowie der Sicherung von Gewaltenteilung und institutionellem Gleichgewicht nach den Prinzipien von Subsidiarität und Solidarität. Gleichzeitig sollten die Bürger stärker in die Entscheidungsprozesse einbezogen und die europäischen Institutionen für sie besser zugänglich gemacht werden.
Wie sehen Sie die Entwicklung in den Nachbarländern der EU im Südosten und Osten, und was kann die Paneuropa-Union zu deren Stabilisierung und Integration beitragen?
Die demokratische Entwicklung in den Nachbarländern der EU zeigt deutliches Wachstum, und die meisten Staaten orientieren sich klar proeuropäisch. Die Unterstützung der Bevölkerung für einen EU-Beitritt ist hoch. Laut aktuellem Eurobarometer befürworten über 80 Prozent der Montenegriner und 91 Prozent Albaner den Beitritt, in Nordmazedonien 69 Prozent, im Kosovo 89 Prozent (IRI) und in Bosnien und Herzegowina 50 bis 60 Prozent. Nur in Serbien liegt die Zustimmung mit 33 Prozent unter der Hälfte. Positiv stimmen auch die Zahlen aus der Ukraine (68 Prozent) und Moldau (55 bis 59 Prozent).
Vor diesem Hintergrund sollte die EU meines Erachtens nicht zögern. Mit einer verantwortungsvollen Erweiterungspolitik kann sie die Demokratisierung und Stabilisierung des Kontinents entscheidend voranbringen. Die Paneuropa-Union bleibt dabei eine treibende Kraft der europäischen Einigung, die positive Entwicklungen fördert und die Integration weiter vertieft.
Was ist für Sie als Paneuropa-Präsident das Wertefundament Europas?
Die Idee der Freiheit bildet für mich das Wertefundament Europas, denn auf ihr beruhen die Prinzipien der menschlichen Würde, der Achtung der Person, der freien Meinungsäußerung und all jener Rechte, die daraus erwachsen. Dieses geistige Fundament ist tief verwurzelt in den drei Säulen der europäischen Identität – der hellenischen Philosophie, dem römischen Recht und der christlichen Spiritualität.
Ihr besonderes Forschungsgebiet ist die Demokratie. Welche Ansätze sehen Sie, um sie in der gegenwärtigen europäischen und globalen Situation zu festigen und zu erneuern?
Die Demokratie bildet den politischen Rahmen für die Bewahrung der Freiheit in der Gesellschaft und ist zugleich ein Wert an sich. Sie erfordert jedoch fortwährende Anstrengungen, um sie vor jenen zu schützen, die autoritäre oder totalitäre Herrschaftsmittel einsetzen wollen. Schon die Erfinder der Demokratie im antiken Griechenland suchten stets nach neuen Wegen, sie zu verteidigen. Sie führten etwa Tagesgelder für Arme ein, um eine möglichst breite Bürgerbeteiligung zu ermöglichen, und setzten auf kurze Amtszeiten, an denen alle teilnehmen konnten. Vor der Gefahr der Autokratie schützten sie sich durch das Abstimmen mittels Scherben – den sogenannten Ostrakismos.
Eine Erkenntnis bleibt dabei bis heute entscheidend: Demokratie kann nur auf freien, politisch bewußten und gebildeten Bürgern aufgebaut werden. Für die parlamentarische Demokratie ist zudem die Gewaltenteilung unerläßlich, in der das höchste gesetzgebende Organ eine angemessene Rolle einnimmt. Ebenso wichtig ist eine freie und offene Deliberation über die öffentlichen Angelegenheiten. Diese Fragen habe ich in mehreren Publikationen vertieft, insbesondere im Band „Deliberative Demokratie“, den ich gemeinsam mit Professor Henning Ottmann im Nomos-Verlag herausgegeben habe.
Ihre Heimat und ganz Europa sind kulturell und kulinarisch ungemein reich. Was lieben Sie daran besonders?
Meine Heimat spiegelt in besonderer Weise die europäische Vielfalt und kulturelle Tiefe wieder. Mitteleuropäische Prägungen verbinden sich mit mediterranen Komponenten. Wie der kroatische Gelehrte Radoslav Katičić zu betonen pflegte, liegt Mitteleuropa hier dem warmen Mittelmeer am nächsten – ein Umstand, der sich in vielen Ausdrucksformen offenbart.
Neben dem reichen Erbe antiker, griechischer und römischer Hinterlassenschaften vereinen sich christliche Geistigkeit, Sakralarchitektur und Musik mit den Traditionen der Renaissance, des Humanismus, der Aufklärung und des Modernismus. Auch orientalische Einflüsse sind spürbar, da Kroatien über Jahrhunderte hinweg an der Schnittstelle von Orient und Okzident lag.
Die kroatische Küche ist ein wahres Abbild dieser Vielfalt: Authentische regionale Besonderheiten verschmelzen mit ungarischen, österreichischen, italienischen, deut-schen und orientalischen Einwirkungen. Auf der diesjährigen Paneuropa-Konferenz in Osijek und Vinkovci konnten wir das etwa bei den slawonischen Spezialitäten Čobanac und Kulen erleben, während wir im vergangenen Jahr in Split und Sinj das mediterrane Flair genossen.
Wir danken für das Gespräch.
Das Interview führte Stephanie Waldburg.