Jubiläumskongreß in Heidelberg

50 Jahre PEJ: Phantasie und Gottvertauen

18.01.2026

Am 1. November 1975 wurde in Heidelberg die Paneuropa-Jugend Deutschland aus der Taufe gehoben. Deshalb wählte sie auch dieses Jahr die alte kurpfälzische Residenzstadt für ihren Jubiläumskongreß „50 Jahre Paneuropa-Jugend – was ist der nächste Meilenstein?“, der unter der Schirmherrschaft des Internationalen Präsidenten der Paneuropa-Union, Prof. Pavo Barišić, stand. Die PEJ-Bundesvorsitzende Isabella Schuster-Ritter begrüßte die Teilnehmer – darunter Gründungsmitglieder wie Bernd und Martin Posselt, Eyke Peveling und Wolfgang Stock – „an dem Ort, wo die Geschichte begann. Die PEJ kehrt zu ihren Wurzeln zurück, sie tragen auch weiterhin. Wir blicken zurück auf unzählige Begegnungen und Aktivitäten und werden mit altem Schwung und neuer Energie weitermachen.“ Europa bleibe eine vorrangige Aufgabe der jungen Generation.

 

Der neu gewählte PEJ-Bundesvorstand (v.l.n.r.): Katharina Juergens (Schriftführerin), Jan-Erik Ingwersen (Stellvertreter), Jan Kjell Lange (Stellvertreter), Katharina Trulsson (Finanzreferentin), Raphael Wegner (Pressereferent), Franziska Wilkes (Stellvertreterin), Rudolf Juergens (Bundesvorsitzender) und Simon Hund (Stellvertreter).
Der neu gewählte PEJ-Bundesvorstand (v.l.n.r.): Katharina Juergens (Schriftführerin), Jan-Erik Ingwersen (Stellvertreter), Jan Kjell Lange (Stellvertreter), Katharina Trulsson (Finanzreferentin), Raphael Wegner (Pressereferent), Franziska Wilkes (Stellvertreterin), Rudolf Juergens (Bundesvorsitzender) und Simon Hund (Stellvertreter). © PD-Archiv

In einer „Elefantenrunde“, die von Paneuropa-Jugend-Veteran Jens Reinhardt kenntnisreich und locker moderiert wurde, erzählten bisherige PEJ-Bundesvorsitzende (siehe Bildgalerie S. 29) von ihrem Anteil an den Aktivitäten, Kämpfen und Anekdoten des Verbandes. Isabella Schuster-Ritter (2023 – 2025) sprach über grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Freundschaft als Themen der paneuropäischen Arbeit. Christian Hoferer (2021 – 2023) war vom gesamteuropäischen Horizont der PEJ angezogen worden, die sich etwa schon 2011 mit der Kriegsgefahr für die Ukraine beschäftigt habe. Er zog das Fazit: „Ich bin überzeugt, daß man in der Paneuropa-Jugend immer mehr mitnimmt, als man gibt.“ Franziskus Posselt (2012 – 2021), ein Neffe des PEJ-Gründers, schilderte seinen – trotz familiärer Einbindung schon als Baby  – sehr eigenständigen Weg: „Es gibt eine Phase im Leben des jungen Menschen, wo er anfängt, über die Welt nachzudenken und darüber, wo man sich politisch engagieren könnte.“ Für ihn sei die Paneuropa-Jugend am Anfang gestanden, danach erst sei er in eine Partei eingetreten – „was man muß und darf, wenn man politisch tätig sein will.“ 
Clemens Raab (2008 – 2012) berichtete von ersten Erlebnissen gemeinsam mit seinem Vater bei den Donaueschinger Seminaren der Paneuropa-Union, aber auch beim „Eurogame“-Planspiel, das ihm klar gemacht hätte, „daß man weiter denken muß und daß es eine europäische politische Ebene gibt.“ Dazu sei durch Otto von Habsburg die Erkenntnis gekommen, daß es dabei nicht nur um Gesetze, sondern um „Völkerverständigung, die politische Einigung Europas, Frieden und Rechtsstaatlichkeit geht.“ Der heutige Bundestagsabgeordnete Knut Abraham (1990 – 1998), in Aumühle unweit der Zonengrenze aufgewachsen, erzählte vom Erleben der Zerrissenheit Europas durch den Eisernen Vorhang. Die PEJ habe mit „Unerschrockenheit, Phantasie und Gottvertrauen“ gegen diesen Zustand gekämpft: „Wir waren wirklich beseelt, die richtigen Dinge zu tun.“ So sei es auch zum PEJ-Bundeskongreß wenige Tage vor dem 9. November 1989 im Berliner Reichstag gekommen, von dem noch heute ein Stasi-Film existiere. 
Der erste Bundesvorsitzende, Bernd Posselt (1975 – 1990), wies darauf hin, daß die Paneuropa-Union Deutschland 1925 entstanden sei: „Von diesen 100 Jahren hat die Paneuropa-Jugend 50 maßgeblich mit gestaltet.“ Sein zentrales Interesse seien schon als Teenager Europa, die katholische Soziallehre und Verfassungen gewesen. Richard Coudenhove-Kalergi habe er noch im Fernsehen gesehen, Otto von Habsburg habe ihn beim ersten persönlichen Treffen mit der Bildung einer Paneuropa-Jugend betraut, deren Gründungsmanifest er während einer Interrail-Reise auf den Stufen des Papstpalastes in Avignon geschrieben habe. Er schilderte die Kämpfe des Aufbaus, den engen Kontakt mit Franz Josef Strauß und Helmut Kohl und erinnerte an den damaligen PEU-Präsidenten Hans-Joachim von Merkatz, den Bundesgeschäftsführer Rudolf Wollner, an Mitstreiter wie Walburga von Habsburg oder Dirk Voß, seine beiden Bundesgeschäftsführer Martin Posselt und Hans Kijas sowie die vor zehn Jahren verstorbene „Seele des Paneuropa-Büros“, Isabel von Kuehnelt-Leddihn. 
Den Abschluß des Abends bildete eine Betrachtung von Militärdekan Siegfried Weber, Sohn eines Badeners und einer Vertriebenen aus Böhmen, über Versöhnung, Verständigung und das Überwinden von Feindbildern und Grenzen. Vieles Erreichte werde aber zur Zeit wieder gekippt, deshalb sei besonders die Jugendarbeit wichtig: „Ihr müßt euch über die Grenzen hinweg  mit Offenheit und viel Phantasie die Hand geben und nicht mehr loslassen.“ Danach verteilte Isabella Schuster-Ritter Paneuropa-Sekt an die Redner, und Franziskus Posselt präsentierte eine neue Festschrift zu 50 Jahren Paneuropa-Jugend. Im nahegelegenen Restaurant „Makedonia“, dessen Besitzer ein Mitglied der PEU Mazedonien aus dem Umfeld der großen Paneuropäer Boris Trajkowski und Martin Trenevski ist, klang der Abend aus.
Der Allerheiligentag begann mit der Bundesversammlung, bei der Rudolf Juergens (Wessobrunn) zum neuen PEJ-Vorsitzenden gewählt wurde. Stellvertreter sind Franziska Wilkes (Passau), Jan Kjell Lange (Berlin), Jan-Erik Ingwersen (Niebüll) und Simon Hund (München). Als Schatzmeisterin fungiert nunmehr Katharina Trulsson (Niebüll), als Pressereferent Raphael Wegener (Grünwald) und als Schriftführerin Katharina Juergens. Die Bundesgeschäftsführung übernimmt die bisherige Stellvertreterin Marlene Wolsky (Ravensburg). An der Spitze des PEJ-Förderkreises steht künftig Jens Reinhardt.
Beim anschließenden öffentlichen Festakt bekräftigte Rudolf Juergens die Absicht der PEJ, Europa mit Mut, Offenheit und Herz weiterhin aktiv zu gestalten: „Wir reisen, wir bauen Brücken, wo andere nur Mauern sehen.“ Angesichts von Krieg, Klimakrise, gesellschaftlicher Spaltung und Populismus sei der europäische Gedanke nötiger denn je: „Europa ist ein Versprechen – auf Freiheit, Vielfalt und Zusammenhalt.“ Die Stadt Heidelberg vertrat der Stadtrat Leander von Detten, stellvertretender Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, der ebenfalls ein leidenschaftliches Bekenntnis ablegte. Er bezeichnete die EU als eine „Hoffnungsgemeinschaft“, die Aussichten auf Chancengleicheit und Völkerfreundschaft biete: „Europa ist trotz aller Schwächen noch immer das erfolgreichste Experiment der Menschheitsgeschichte.“ 
Ulysse Gounelle, Vizepräsident der Paneuropa-Jugend Frankreich, rief aus: „Jeder gewonnene Mensch ist eine große Tat“. Es gelte über die Attraktivität Europas zu sprechen und aktiv Menschen zu gewinnen: „Das einzige Gegenmittel gegen Angst und Haß, die Putins Freunde verbreiten, ist eine konkrete Hoffnung!“ 
Der Landesvorsitzende der Paneuropa-Union Baden-Würt-temberg, PEU-Vizepräsident Andreas Raab, rief dazu auf, angesichts der Bedrohungen von innen und außen die innere und äußere Sicherheit Europas zu festigen.
 Festredner Pavo Barišić beschwor die besondere Aufgabe der Jugend zum kritischen und klaren Denken: „Mission erwächst aus Verantwortung gegenüber kommenden Generationen“. Besonders zentral für das europäische Ideal, das es im Geist der Freiheit und Solidarität wiederzubeleben gelte, sei die Einbeziehung auch weniger entwickelter Regionen. Deshalb gelte es die Erfolgsgeschichte der EU-Erweiterungen in Bezug auf Südost- und Osteuropa fortzuschreiben, die auch zur Pflege der Demokratie und zur Verfestigung der Werte, die auf der Idee der Freiheit beruhen, wesentlich beigetragen habe. 
Am Nachmittag besuchten die Teilnehmer des Bundeskongresses die Gedenkstätte im Geburtshaus von Reichspräsident Friedrich Ebert. Der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Prof. Gert Weißkirchen, Kreisvorsitzender der Europa-Union Rhein-Neckar, erweckte die reiche europäische Geschichte Heidelbergs zum Leben, von der Gründung der sehr alten Universität durch Professoren aus Prag und Paris über große Geister wie Comenius, Max Weber oder Hanna Arendt bis hin zu Friedrich Ebert selbst. Er erwähnte auch das Heidelberger Programm von 1925, in dem die SPD Vereinigte Staaten von Europa gefordert habe. Bernd Posselt vertiefte die sozialdemokratischen Bezüge durch Hinweis auf prägende Paneuropäer wie seinen ersten Vorgänger als Präsident der Paneuropa-Union Deutschland, Reichstagspräsident Paul Löbe, den Chefredakteur des „Vorwärts“, Friedrich Stampfer aus Brünn, und den österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky, der in den 1920er Jahren Kassier der PEJ Wien gewesen war. 
Ein zünftiger paneuropäischer Abend in Vetter’s Brauhaus, bei dem auch der bisherige Bundesgeschäftsführer Marcus Schneid verabschiedet wurde, rundete den Bundeskongreß ab. Mit der Allerseelen-Festmesse in der Heidelberger Jesuitenkirche, die Pfarrer Dr. Marius Fletschinger im Beisein von Militärdekan Siegfried Weber zelebrierte und bei der Eva und Bernd Wolsky die Paneuropa-Fahnen trugen, startete die Paneuropa-Jugend schließlich in ihre nächsten 50 Jahre.