Paul-Löbe-Gedenken in Leipzig

06.05.2026

Leipzig (pd). In Leipzig versammelte sich ein Kreis von 50 Paneuropäern und Interessierten auf Einladung der Paneuropa-Union Leipzig und des sächsischen Landesverbandes des „Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold“, das während der Weimarer Republik eine herausragende Rolle bei der Verteidigung der Demokratie spielte. Anlaß war der 150. Geburtstag von Paul Löbe, der als soziialdemokratischer Reichstagspräsident und erster Präsident der Paneuropa-Union Deutschland einer der prägenden Parlamentarier der Weimarer Republik war. 

Tagungsort war die Gedenkstätte in der sogenannten Runden Ecke, die vor der Wende die Staatssicherheit der DDR und die Volkspolizei nutzten. Tobias Hollitzer, Leiter der Gedenkstätte, begrüßte die Teilnehmer und  verwies auf die besondere Bedeutung des Ortes für die politische Bildung. Dr. Hassan Soilihi Mzé vom Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, erinnerte an die Rolle seines Verbandes in den  Auseinandersetzungen der zwanziger Jahre. Prof. h.c. Volker Schimpff, Präsidiumsmitglied der Paneuropa-Union Deutschland, referierte über den Europagedanken in der Zwischenkriegszeit und würdigte die aktive Rolle von Paul Löbe als erstem Präsidenten der Paneuropa-Union Deutschland und Mitstreiter von Coudenhove-Kalergi. 
Dr. Stefan Heinz von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand Berlin zeichnete den Weg Löbes vom jungen Sozialdemokraten bis zum langjährigen Reichstagspräsidenten nach, wobei er dessen Haltung während der nationalsozialistischen Herrschaft sowie seine Verbindungen zu Kreisen des Widerstands hervorhob. Konrad Badenheuer aus Berlin beleuchtete Löbe aus wirtschafts- und sozialpolitischer Perspektive. 
Der Historiker Martin Posselt aus München würdigte Löbe als deutschen Patrioten, überzeugten Europäer und Pazifisten und wies nachdrücklich auf die aktuelle Gefährdung der freiheitlichen Ordnung durch Rechts- und Linksextemisten  hin. 
Insgesamt entstand das Bild eines Politikers, der weniger durch rhetorische Brillanz als durch Haltung, Pflichtbewußt-sein und Verläßlichkeit wirkte und als Reichstagspräsident für Kontinuität in einem von Krisen erschütterten Staat stand. 
Mit einer Diskussion klang die Veranstaltung aus und hinterließ den Eindruck eines würdigen Gedenkens sowie die Mahnung, daß die demokratische Ordnung auch in der Gegenwart verteidgt werden muß.