München. Mit einem Symposion im Adalbert-Stifter-Saal des Sudetendeutschen Hauses in München, das vom Landesvorsitzenden der Paneuropa-Union Bayern, Dirk-Hermann Voß, moderiert wurde, hat die Paneuropa-Union Deutschland an die runden Geburtstage von drei ihrer prominentesten Mitglieder erinnert: dem sozialdemokratischen Reichstagspräsidenten der Weimarer Republik Paul Löbe (150), dem ersten deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer (150) von der CDU und dem bayerischen CSU-Ministerpräsidenten Alfons Goppel (120).
Paul Löbe war in der Zwischenkriegszeit ab 1925 der erste Präsident der Paneuropa-Union Deutschland, der Konrad Adenauer bereits als Oberbürgermeister von Köln angehörte. Alfons Goppel führte die Paneuropa-Union Deutschland als Präsident von 1978 bis zu seinem Tod im Jahre 1991.
Der gegenwärtige Paneuropa-Präsident Bernd Posselt kennzeichnete die drei Persönlichkeiten als "kämpferische Europäer, die die europäische Einigung und die parlamentarische Demokratie maßgeblich geprägt haben". Der langjährige CSU-Europaabgeordnete rief die Politik der Gegenwart dazu auf, sich ihrer historischen Aufgabe zu stellen und sich bewußt zu werden, daß ein überlebendes und handlungsfähiges Europa "nicht durch eine Stärkung der Nationalstaaten, so gutgemeint diese auch sein mag", zustande kommen könne, sondern nur durch die Stärkung supranationalen EU-Strukturen und des Föderalismus.
Der ehemalige bayerische Staatsminister und CSU-Generalsekretär Thomas Goppel skizzierte die drei Persönlichkeiten als "Versöhner", die sich bei aller Treue zu ihrer Grundeinschätzung um das Zusammenführen bemüht hätten. So habe sein Vater Alfons Goppel sich für die bayerisch-französische Freundschaft eingesetzt, aber auch den Föderalismus und die Regionen gefördert, etwa durch die Gründung der ARGE ALP.
Christa Naaß, langjährige SPD-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der sozialdemokratischen Seliger-Gemeinde, wandte sich mit einer Mahnung des Schlesiers Paul Löbe zum Volkstrauertag 1922 gegen die aktuellen Bedrohungen von Demokratie und Frieden in Europa: "Leiden zu lindern, Wunden zu heilen, aber auch Tote zu ehren, Verlorene zu beklagen, bedeutet Abkehr vom Haß, bedeutet Hinkehr zur Liebe, und unsere Welt hat die Liebe not."
Der Historiker Martin Posselt, Autor des Werkes "Ein Parlament für Europa. Richard Coudenhove, Paneuropa und die westliche Demokratie 1922 bis 1952", berichtete über die Aktivitäten von Löbe und Adenauer in der Paneuropa-Bewegung der Zwischenkriegszeit und bei den Treffen der von Coudenhove einberufenen Europäischen Parlamentarier-Union nach dem Zweiten Weltkrieg, die dann zur Gründung des Europarates und schließlich zur Schaffung des Europaparlamentes führten.
Victoria Krummel, Redenschreiberin mehrerer Präsidenten des Deutschen Bundestages, stellte ihre neuerschienene Biographie "Paul Löbe. Ein Leben für die Demokratie" vor. Angesichts der Tatsache, daß es zahllose Bücher über Hindenburg oder Göring gebe, habe sie "eine Art historischer Gerechtigkeitssinn" bewegt, einem Demokraten und Europäer, der in der Weimarer Republik sein Möglichstes versucht habe, eine entsprechende Würdigung zuteil werden zu lassen.
Dirk-Hermann Voß verwies zu Beginn des Podiumsgesprächs "mit einer gehörigen Portion Gänsehaut" auf die beispielhafte Standfestigkeit, die Konrad Adenauer die Inhaftierung und Amtsenthebung als Kölner Oberbürgermeister durch die National-Sozialisten und Paul Löbe die Inhaftierung im KZ Groß-Rosen eingetragen habe. Alfons Goppel habe als „Lordsiegelverwalter des Föderalismus“ und zugleich glühender Europäer stets darauf hingewiesen, dass "auch die Europäische Union Staatsgesinnung und Patriotismus brauche“.
Unter den zahlreichen Ehrengästen waren u.a. die Witwe des früheren Bundestagspräsidenten Rainer Barzel, Ute Barzel, der Mitbegründer von Bündnis 90/Die Grünen Milan Horáček, MdB und MdEP a.D., der Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen in Bayern und Oberbayern, Christian Knauer sowie der Bundesvorsitzende der Paneuropa-Jugend, Rudolf Juergens.