Zum Thema "(Pan) Europa Konkret" tagte in Bamberg der Bundeskongreß der Paneuropa-Jugend Deutschland, Schirmherr war der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann, die Stadt Bamberg hieß die Paneuropäer mit einem Empfang im Rokokosaal des alten Rathauses willkommen, wo der zweite Bürgermeister Jonas Glüsenkamp ihnen Geschichte und Kultur der oberfränkischen Weltkulturerbe-Metropole näher brachte.
PEJ-Bundesvorsitzender Rudolf Jürgens verwies in seinem Vortrag, mit einer Reverenz an das "Bamberger Programm", das Grundsatzprogramm der Paneuropa-Union Deutschland, auf die Absicht der PEJ, in einer unsicheren und zersplitterten Welt "Anker zu werden" und "den Diskurs in der demokratischen Mitte so zu führen, daß wir lösungsorientiert arbeiten können". Er ging auf die Situation Europas zwischen den USA und Rußland ein, gegen deren wirtschaftliche und kriegerische Einflußnahmen die EU durch ihre eigene Souveränität Stärke finden müsse. Dazu gehöre neben Wirtschaft und Militär auch, "Energie- und Umweltschutz so zu denken, daß junge Familien Vertrauen haben, sich etwas aufzubauen und tatsächlich auch Kinder in diese Welt zu setzen". Europa sei "unsere größte Chance" und zugleich auch "eine Notwendigkeit“. Am folgenden Tag fand im ehemaligen Webereigebäude der Bamberger Kalikofabrik ein Kongreß mit hochkarätigen Rednern statt, der in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Arbeitsgemeinschaft Demokratischer Kreise durchgeführt wurde.
Thomas Silberhorn MdB als Mitglied des Innenausschusses im Deutschen Bundestag und ehemaliger Verteidigungs-Staatssekretär schilderte die neue Sicherheitslage zwischen russischem Angriffskrieg und amerikanischem Desinteresse bis Konkurrenzdenken: "Wir stehen zunächst einmal allein für uns ... Wir werden in Europa selbst mehr leisten müssen." Dazu gehöre auch wirtschaftliche Handlungs- und Wettbewerbsfähigkeit sowie strategische Autonomie, etwa auch im Bereich der Satellitenkommunikation.
Der Bayerische Europaminister Eric Beißwenger erinnerte daran, daß die EU jenseits von Verordnungen und Richtlinien "eine Wertegemeinschaft und wahrscheinlich das erfolgreichste Projekt der europäischen Geschichte" sei. Bayern als starke Region verstehe sich dabei als treibende Kraft, insbesondere bei der optimalen Bündelung des Alpenraums: "Wer Europa gestalten will, muß präsent sein, Dialog suchen und sich einbringen".
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Andreas Schwarz als Mitglied des Haushaltsausschusses kam gerade erschüttert aus der Ukraine zurück: "Nachts Krieg, Drohnenangriffe, morgens raus und Normalität". Von der Ukraine könne man lernen, wie man Geld sinnvoller ausgebe und sich selbst behelfe, auch bei Digitalisierung oder Drohnen.
Joachim Streit, Europaabgeordneter aus Rheinland-Pfalz und stellvertretender Bundesvorsitzender der Freien Wähler, führte in einem sehr unterhaltsamen Schnelldurchgang durch die verschiedenen "Geschäftsmodelle", die die europäische Integration angesichts der jeweiligen historischen Herausforderungen entwickelt habe.
In einem Panel, das vom ehemaligen Landesvorsitzenden der PEJ Bayern Frederik Ströhlein geleitet wurde, diskutierten der ehemalige baden-württembergische Landtagsabgeordnete Klaus Schüle, Christian Hoferer, Präsidiumsmitglied der PEU Deutschland, und Luke Schaaf, Schüler und Landesvorsitzender der PEJ Hessen, über die Konsequenzen aus den Vorträgen.
Der Präsident der Paneuropa-Union Deutschland, Bernd Posselt, erinnerte daran, daß ein Europaparlament mit verschiedenen Sprachen bei Gründung der PEJ 1975 von vielen ebenso für unmöglich gehalten worden sei wie heute von manchen eine Europäische Armee. Auch die Abschaffung der Grenzkontrollen, der gemeinsame Binnenmarkt oder eine Europäische Zentralbank, alles später große Erfolge, galten als undenkbar. Posselt warnte daher vor Status-Quo -Denken und davor, kurzfristige Ukraine-Unterstützung gegen den etwas längerfristigeren Ausbau der Verteidigung auf europäischer Ebene auszuspielen.
Am Sonntag endete der Bundeskongreß mit einem Hochamt mit Paneuropa-Fahnen im berühmten Bamberger Dom. Domkapitular Dr. Ewald Sauer rief dazu auf, für die von Gott gegebene Würde des menschlichen Lebens, das immer ein Geschenk sei, einzustehen und dafür auch Begrenzungen des Möglichen, etwa in Sachen Leihmutterschaft, zu akzeptieren. Der Paneuropa-Bewegung sprach er für ihren Einsatz für Frieden und Völkerverständigung einen besonderen Segen zu.