PEJ-Bundeskongreß wieder in Berlin

01.12.2019 18:11 Uhr

30 Jahre nach dem Mauerfall und nach dem Bundeskongreß der Paneuropa-Jugend Deutschland am 4. November 1989 im damals noch verwaisten Reichstagsgebäude am Todesstreifen tagte der Bundeskongreß der PEJ am 2./3. November 2019 wieder in Berlin.  1989 war nur wenige Tage, nachdem die jungen Paneuropäer gemeinsam mit dem seinerzeitigen Präsidenten der Paneuropa-Union, Otto von Habsburg, gegen die Teilung Berlins, Deutschlands und Europas demonstriert hatten, die Mauer in Berlin gefallen. Otto von Habsburg, seine Tochter Walburga von Habsburg  sowie Bernd Posselt und Dirk Voß hatten seinerzeit vom Kongreß aus auch an der Großdemonstration in Ostberlin teilgenommen. Unter den Teilnehmern des diesjährigen Kongresses waren etliche jugendliche Nachkommen der damaligen Aktivisten, die mit ihren Eltern gekommen waren, um den historischen Tagen des Jahres 1989 nachzuspüren

An diese erinnerten der PEJ-Bundesvorsitzende Franziskus Posselt und der PEJ-Landesvorsitzende von Berlin-Brandenburg, Jan Lemm, in ihren Ansprachen im Reichstagsgebäude. Anschließend führte das Thema Widerstand gegen totalitäre Regime im Deutschland des 20. Jahrhunderts in die Gedenkstätte Deutscher Widerstand im Bendlerblock sowie in den „Tränenpalast“ – die ehemalige Ausreisehalle von der DDR nach Westen am Bahnhof Friedrichstraße.
Bereits am Vorabend war das paneuropäische Treffen im Konferenzsaal des Bundeskanzleramtes eröffnet worden, wo der Landesvorsitzende der Paneuropa-Union (PEU) Berlin-Brandenburg, Jesko von Samson-Himmelstjerna, die Gäste aus Deutschland, Österreich, dem Kosovo, Polen und Kanada begrüßte. An die aktuelle geschichtspolitische Debatte um die Zukunft der Jahn-Behörde anknüpfend sprach der Historiker Benedikt Praxenthaler, der dem PEU-Bundesvorstand angehört, über die Frage: „Zwischen Gerechtigkeit und Datenschutz. Wie mit den Akten von Unrechtsregimen umgehen?“
Höhepunkt des Bundeskongresses war die Hauptkundgebung, die in der Katholischen Akademie in Berlin stattfand. Sie schlug von den historischen Ereignissen eine Brücke zu den gegenwärtigen Herausforderungen der Europäischen Union. Heute, so der langjährige Europaparlamentarier Bernd Posselt, Präsident der PEU Deutschland, dürfe trotz aller politischen Differenzen „keine neue Ost-West-Spaltung“ entstehen. Dies sei neben einer weiteren „Parlamentarisierung und Demokratisierung Europas“ eine der beiden großen Aufgaben der nächsten Jahre.
Zur Hauptkundgebung konnte der PEJ-Bundesvorsitzende Franziskus Posselt auch die Berliner Europaabgeordnete und langjährige Diplomatin Hildegard Bentele MdEP begrüßen. Diese betonte die Notwendigkeit für die EU, als Wertegemeinschaft, ihre „Werte auch nach außen zu verteidigen“; dies erfordere, „außen- und sicherheitspolitisch handlungsfähig“ zu sein.
In diesem Sinne warb der Historiker und Politologe Brigadegeneral a.D. Dr. Klaus Wittmann in seinem Festvortrag für eine „Europäische Armee“ als Leitbegriff für einen „evolutionären Prozeß“ zu einer vertieften verteidigungspoliti-schen Gemeinschaft der EU-Mitgliedstaaten.
Im Rahmen der Bundesversammlung verabschiedeten die Mitglieder der PEJ eine Erklärung, die angesichts des um sich greifenden Populismus in Europa für ein von „demokratischer Sittlichkeit“ geprägtes Ethos der Bürger Europas eintritt.